Mittwoch, 26. Juni 2013

Review: Dante's Inferno (PS3, 360, PSP)

Um die Mitte des 14. Jahrhundert machte sich ein Mann namens Dante Alighieri daran, eines der größten Werke der Weltliteratur zu verfassen. Ein paar Jahrhunderte später hat sich niemand anderes als Electronic Arts daran gewagt den ersten Teil der "Göttlichen Komödie" in ein Videospiel zu verwandeln. Das Ergebnis ist das 2010 erschienene Dante's Inferno, welches als Konkurrenztitel zum wenig später releasten God of War III ins Rennen geschickt wurde. Dieses Vergleich werdet ihr in dieser Review wohl noch öfter hören, denn es gibt einfach zu viele offensichtliche Parallelen als dass es nur eine zufällige Ähnlichkeit sein könnte.



Doch erst einmal zur Story: Dante, der Protagonist der Geschichte, ist ein Templer und befindet sich auf einem Kreuzzug. Dort begeht er, seiner Meinung nach im Namen Gottes,  massenhaft Sünden und bricht auch seiner geliebten Beatrice die Treue. Als er jedoch getötet wird und der Tod persönlich kommt um ihn abzuholen, stiehlt er dem Schnitter seine Sense und flieht. Wieder zu Hause erkennt er jedoch dass er nun auch Beatrices Seele auf dem Gewissen hat. Durch seinen Treuebruch gehört sie nun dem Teufel, der ihre Seele für seine Machenschaften braucht. Dante zögert natürlich nicht und steigt hinab in die Kreise der Hölle um Beatrice zu befreien. Dabei begleitet ihn der Geist des Dichters Vergil, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das Kampfsystem ist schnell erklärt. God of War-typisch gibt es eine leichte, eine starke und eine Greifattacke. Mit dem rechten Stick wird ausgewichen. Als Fernkampfwaffe gibt es Beatrices Kreuz, das auf Tastendruck heilige Strahlen verschießt. Im Verlauf des Spiels lernt man außerdem mehrere Zauber. Kombiniert man diese verschiedenen Angriffe, kann man den Combozähler locker in hohe Regionen treiben.
 
Anstatt Orbs gibt es in Dante's Inferno Seelen, mit denen man seine Heilig- bzw. Unheilig-Fähigkeiten aufstufen kann. Zum Heilig-Talentbaum gehören Fähigkeiten wie Rüstung, Leben und das Kreuz, während im Unheilig-Tree die Sense, der Manabalken und die verschiedenen Zauber zu finden sind. Seelen bekommt man von besiegten Gegnern, aus zerstörbaren Elementen in der Umgebung und von speziellen verdammten Personen. Immer wieder trifft man auf dem Weg durch die Unterwelt bekannte, geschichtlich relevante Personen. Diese kann man entweder erlösen oder bestrafen, je nachdem auf welchen Talentstrang man Punkte möchte.

Im Spiel erhält man auch verschiedene ausrüstbare Items, die sogenannten Reliquien. Davon gibt es 33 Stück, was der Anzahl der Gesange in der Buchvorlage nachempfunden ist. Die Reliquien bieten Boni auf bestimmte Werte wie Angriff, Mana oder die Anzahl an erhaltenen Seelen.

Wenn Dante nicht gerade kämpft, dann klettert, schwingt, springt, knobelt (Stichwort: Schieb-die-Kiste-auf-den-Schalter-Rätsel) oder reitet er auf einem großen Dämon durch die schön gestalteten Kreise der Hölle. Sowohl das Umgebungsdesign als auch das Gegnerdesign sind sehr originell und passen immer zur Beschreibung in der Vorlage. Im Kreis der Wollust wimmelt es nur so von Brüsten und die auch bei den örtlichen Gegnern brechen Tentakel  zwischen den Beinen hervor, während die Maßlosigkeit mit rosa schleimigen Arealen an einen gigantischen Darm erinnert, der von fetten Würmern und Maden bevölkert wird. In der Gier dagegen fließt ein riesiger Fluss aus Gold durch den maschinenartigen gestalteten Bereich, in den ihr besser nicht hineinfallen solltet. Auch der Sound sorgt für die tolle Atmosphäre des Spiels. Neben der passenden epischen Musik stöhnen und ächzen die Verdammten in allen Ecken, was diese Höllenvision noch abrundet.

Nach so viel positiven Punkten gibt es jedoch auch ein paar Dinge, die mich an Dante's Inferno stören. Stellenweise wirkt das Spiel zu dunkel, manchmal gibt es sogar richtig hässliche Texturen. Im direkten Vergleich zum kurz darauf erschienenen God of War III stinkt das Spiel in grafischer Sicht ohnehin gewaltig ab. Das Schlimmste hierbei sind jedoch die Zwischensequenzen. Diese sind nicht in Spiel- oder Rendergrafik, nein! Irgendwer kam auf die Idee die Story in kurzen Zeichentricksequenzen voranzutreiben. Diese sind aber absolut lieblos  und wirken total deplaziert, weil sie einfach nicht zum Rest des Spiels passen wollen. Pfui! Als letzten Kritikpunkt kann man noch die Spielzeit anführen. Ich war auf dem höchsten zum Start anwählbaren Schwierigkeitsgrad nach 5,5 Stunden fertig mit dem Spiel. Da wäre bestimmt mehr drin gewesen. Ansonsten gib es nicht viel zu rütteln, dafür hält sich das Spiel zu sehr an bewährte (God of War-)Methoden.


Alles in allem ist Dante's Inferno ein düsteres, cooles Schnetzelspiel mit einer tollen, unverbrauchten Story, das man gespielt haben sollte. Erst recht Leute die keine Playstation haben sollten sich das Spiel einmal anschauen. God of War-Kenner dagegen können sich auf das bekannte Spielsystem in einem tollen neuen Setting freuen. Leider  hat EA einiges an Potential verschenkt, aber wer weiß, vielleicht kommt ja eines Tages eine Fortsetzung die diese Fehler wettmacht.

Euer Wölle

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